Umwelttipps 2021

Dezember 2021

Weihnachtseinkäufe

Mit Liste und Budget oder spontan und munter drauf los.
Für den eigenen Bedarf oder für die anderen.
Und am Ende bleibt manches übrig.
Wohin damit?

Letzten Montag stand ein Schuhkarton mit Weihnachtsartikeln am Kircheneingang. Ohne Einladung zum Mitnehmen, ohne die Frage im Büro, kann ich das bei euch abstellen, könnt ihr das brauchen?

Am Dienstagnachmittag habe ich den Karton weggenommen und sortiert. Besser jetzt als später schneedurchnässt.
Einen Stern habe ich gleich mal aufgehängt. Warum nicht?
Für die sechzehn weiß-roten Filzhänger hatte ich eine Idee.

Am Freitag habe ich eine lange Schnur
mit sechzehn Schlaufen gehäkelt.
Am Samstagmorgen habe ich die Figuren sortiert und angenäht.
Am Sonntagmorgen werden sie im Gemeindesaal aufhängt.
Warum nicht?

Weihnachtseinkäufe.
Wer hat die schönen bunten Dinge zu welchem Lohn produziert?
Mag ich weiterhin kaufen mit dem Wissen im Hintergrund, es war billig, wegwerfen kostet mich fast nichts?

Vielleicht lohnt es sich, vor dem Einkaufen kreativ zu werden.
Das macht zufrieden und sorgt für Unikate.

 

November 2021

Loslassen

Loslassen. Die Bäume lassen ihre letzten Blätter fallen, alles wird ruhiger, stiller und zieht sich zurück in der Natur. Für uns selbst können wir die Natur als Vorbild nehmen und uns fragen, welchen Ballast möchte ich gerne loslassen?

Wer oder was hat ausgedient?

Ganz achtsam zu prüfen und dann zu entscheiden, was gehen darf und was bleiben soll. Vielleicht freut sich jemand über das, was bei mir ausgedient hat?

Etwas los zulassen bedeutet auch immer, dass Freiräume entstehen. Das etwas Anderes mehr Platz bekommt. Das etwas Verbrauchtes und nicht mehr Benötigtes gehen darf.

Und lassen wir nicht nur los, sondern lassen wir uns auch auf diese Jahreszeit ein. Herbst bedeutet ja nicht nur Loslassen, sondern auch Ernten und Empfangen.

Es ist höchste Zeit, Gemüse zu ernten und einzulagern. Durch Einkochen oder Trocknen lässt es sich lange haltbar machen. Grüne Tomaten reifen im Haus nach. Kräuter können durch Trocknen oder Einfrieren haltbar gemacht werden.

Viele betrachten Laub als Abfall, dabei dient es als wirkungsvoller Frostschutz und ist für Igel ein ideales Winterquartier. Wiesen sollen laubfrei gehalten werden, weil die Gräser sonst darunter verfaulen.

Bevor es unangenehm kalt wird, sollten Sie Ihren Pflanzen etwas Gutes tun und den letzten Rasenschnitt oder das aufgesammelte Laub auf die Beete verteilen. Dadurch werden Pflanzen und der Boden, vor zu viel Kälte und Erosion geschützt. Frühlingsblumen wie Frühlings-Anemone, Buschwindröschen, Schneeglanz, Blaustern oder Lerchensporn können immer noch gepflanzt werden. Je später sie gesetzt werden, desto später blühen sie im Frühjahr.

Die Natur braucht Zeit, um sich auszuruhen, damit sie im Frühjahr wieder in voller Pracht erblühen kann. Nehmen wir uns ein Beispiel, lassen wir los. Geben wir ihr und uns Zeit.

 

Oktober 2021

Die dunkle Seite des Lichtes

Gerade haben wir noch die sich ständig verändernde, wabernde, von einer unsichtbaren Kraft dirigierte und mit Präzision fliegende Federwolke aus hunderten von Staren bewundert, schon ist es dunkel. Die Tage werden merklich kürzer. Oft ist es gefühlt schon Nacht, wenn wir heimkommen. Wie schön, wenn uns ein Licht auf Terrasse, Balkon oder im Garten willkommen heißt.

Doch kein Licht ohne Schatten. Wie groß die Strahlkraft der Beleuchtung ist, weiß jeder/jede, der/die mal in den Bergen übernachtet hat. Selbst hoch oben, wie an dem beigefügten Bild des Attersees zu sehen ist, entgeht man der Strahlkraft nicht.

Viele Prozesse in der Natur, auch unsere eigenen, sind durch den Tag-Nacht Rhythmus und den Jahreszeitenwechsel geprägt. Mit der künstlichen Beleuchtung setzen wir beides außer Kraft. 

Attersee bei Nacht
Bildrechte: David Laurin Salamon

Bäume erleiden Frostschäden, weil sie ihre Blätter zu spät oder gar nicht abwerfen. Singvögel singen mitten in der Nacht, brüten zu früh im Jahr und finden nicht genug Nahrung für ihre Jungen. Unsere Stare fliegen zwar tagsüber in ihre Winterquartiere und ruhen nachts, aber zwei Drittel unserer Zugvögel fliegen nachts und benötigen ein bestimmtes Lichtspektrum zur Orientierung. 

Wird Licht von einzelnen hohen Gebäuden oder Siedlungsgebieten bei Dunst und Nebel an entstehenden Wassertröpfchen reflektiert, entsteht ein Lichtdom – ein erleuchteter Raum. Viele Zugvögel orientieren sich bei ihren Wanderungen normalerweise an den Sternen, werden nun aber von diesem Lichtdom angezogen. Sie richten ihren Flug nach der künstlichen Lichtquelle aus, werden wie Insekten an der Straßenlampe „eingefangen“ und finden keinen Ausweg mehr. Wenn sie nicht mit den Gebäuden kollidieren, kreisen die Zugvögel durch diese Fehlorientierung die ganze Nacht über der Stadt und setzen ihre eigentliche Flugroute erst bei Tagesanbruch fort.

Seit 2019 unternimmt Bayern etwas gegen die Lichtverschmutzung im öffentlichen Raum. Seit dem erfolgreichen Volksbegehren Artenvielfalt „Rettet die Bienen“ muss zumindest die Fassadenbeleuchtung an Rathäusern, Schulen, aber auch Kirchtürmen nach 23 Uhr abgeschaltet werden. Wir sind alle gefragt, darauf zu achten. Der Landesbund für Vogelschutz hat eine Mitmachaktion gestartet, um zu überprüfen, ob die Abschaltung tatsächlich umgesetzt wird. Nähere Informationen zur Mitmachaktion finden Sie unter www.lbv.de/meldung-lichtverschmutzung

Für die Lichterkette, wenn sie denn sein muss, bedeutet das, schließen Sie Zeitschaltuhr oder Bewegungsmelder an und machen Sie sie aus, wenn Sie zu Hause sind. Der Garten muss nicht beleuchtet sein, wenn die Rollläden geschlossen sind. Wählen Sie eine Lichtfarbe im warmen/gelblichen Bereich. Nachtaktive werden vor allem von Licht im kalten Spektrum angezogen, da sie sich eigentlich am weißlichen Licht des Monds orientieren. Je größer der Ultraviolett- und Blauanteil des Lichts, desto stärker die Anziehungskraft auf Insekten und damit die negativen ökologischen Auswirkungen. Durch die Form der Lampengehäuse und die möglichst niedrige Anbringung werden unnötige Lichtemissionen und die weite Abstrahlung in die Umgebung verhindert.

Genießen Sie doch mal einen Oktoberabend in eine dicke Decke eingemummelt mit einer Tasse Tee oder auch Glühwein ganz ohne Beleuchtung und betrachten Sie den Sternenhimmel. Sie werden sich wundern, wie viel man auch ohne künstliches Licht in der Dämmerung entdecken kann.

 

September 2021

F.U.N.-Prinzip: Freundlich, Umsichtig, Naturverträglich

Bergsportler:innen wird das ein Begriff sein. Als Leitlinie propagiert der Deutsche Alpenverein das F.U.N.- Prinzip schon etwas länger.
Freundlich zu den Mitmenschen.
Umsichtig gegenüber den Gefahren des Sports:
Naturverträglich.

Auch bei den Kletterfreaks wächst allmählich das Verständnis, dass ihr Lieblingskletterfels in der Brutzeit vielleicht von Wanderfalken benötigt wird und daher gesperrt ist.
Doch auch alle anderen Freizeitsportler:innen und Naturgenießer:innen könnten mit diesem Prinzip für die Natur und für ihre Mitmenschen Sorge tragen, dass der Massenzulauf in die Natur nicht zu belastend wird und alle sich entspannen können. Wir alle sollten uns daran erinnern: Jeder/ Jede von uns ist ein Teil von dem „da sind so viele unterwegs“!

Oft sind es nicht bewusste Entscheidungen gegen dieses Prinzip, sondern Unwissenheit und Scheu den Mitmenschen auf Augenhöhe zu begegnen und mögliche Alternativen zu einem bemerkten Fehlverhalten aufzuzeigen. Es geht nicht um Besserwisserei, sondern um einen Vorschlag, eine Alternative, die der Natur und uns allen besser bekommt. In vielen Fällen ist den Betreffenden ihr Fehlverhalten gar nicht bewusst und manche wären dankbar für einen freundlichen! Hinweis. Und, das ist besonders wichtig, sie können dann in Zukunft als Multiplikatoren wirken und wiederum andere informieren.

Beispiel Hindernisse: Jeder ist froh, wenn die Information, dass die Brücke im Tal gesperrt ist, das Wasser knietief auf dem Weg steht, der Parkplatz schon voll ist, auch weitergegeben wird.

Beispiel Müll: Jeder sollte mittlerweile begriffen haben, dass Müll nichts in der Natur verloren hat. Also alles wieder mitnehmen- auch den verrottenden Müll wie Schalen und Taschentücher. Pferdeäpfel gehören in die Natur und nicht mitten auf den Weg, also bitte absteigen und an den Wegrand schieben.

Beispiel Wege: Niemand geht gerne einen endlosen Forstweg hinauf, trotzdem sind Abkürzungen mitten durch den Wald oder die Wiese tabu, auch wenn sie im Moment noch schöner sind. Sie sollen schön bleiben und nicht zertrampelt werden. Neben dem Schilf schwimmt niemand, also endlich Ruhe?  Bitte nicht, achten Sie auf Naturschutzzonen, in denen Schwimmer und auch Stand-up Paddler nichts verloren haben. Reiten am Wegesrand? Bitte bleiben Sie auf dem (auch grünen) Mittelstreifen, der Bauer und die Wildtiere werden es Ihnen danken.

Beispiel Pflanzen: Pflücken Sie nur die Pflanzen, die Sie kennen und von denen Sie wissen, dass sie nicht geschützt sind. Überlegen Sie vor dem Pflücken, wie lange Sie noch unterwegs sind, wie lange Sie für die Heimfahrt brauchen… ist die Mohnblüte zu Hause dann wirklich noch so schön anzusehen wie auf der Wiese?

Beispiel Tierschutz: Hunde gehören in freier Natur immer an die Leine. Schon das interessierte Schnuppern an einem Rehkitz ist das Todesurteil für das Jungtier. Im Winter brauchen aufgescheuchte Rehe oder andere Wildtiere ihre Energiereserven zum Überleben.

Und jedem/jeder von uns steht es frei, fremde Fehler wieder gut zu machen: Sammeln Sie doch den Plastikschnipsel oder die Scherbe auf und entsorgen sie fachgerecht.

Tragen wir alle miteinander Sorge für uns, unsere Mitmenschen und Mitgeschöpfe. Wenn wir gemeinsam die Zukunft des Ganzen im Blick haben, können wir trotz vielen Frischluftgenießer:innen entspannte und glückliche Herbsttage in und mit der Natur erleben.

 

August 2021

Wildwasser bitte ohne Steinmännchen

Eines der schönsten Wildwasser fließt mitten durch München, die Isar. Auf ihrem fast 300 km langen Weg vom Karwendel zur Donau entstehen heute an vielen Stellen wieder ausgedehnte Schotterflächen, die durch häufig reißende Hochwasser ständig ihre Form, Ausdehnung und Lage ändern.

Was extrem lebensfeindlich anmutet, bietet trotz der ständigen Gefahr der Zerstörung vielen Tier-und Pflanzenarten ideale Lebensbedingungen. Die Teilrenaturierung seit 2011 ist auch für die Münchner ein Segen. Die Menge des Wassers, das in das Isarbett hineinpasst, wurde so vergrößert und schützt vor Hochwasser. Zudem erfreuen die Kiesbänke Sonnenanbeter:innen und Spaziergänger:innen.

Leider werden gerade hier oft große Ansammlungen von Steinmännchen errichtet. So schön sie aussehen mögen, das Entfernen und Bewegen von Steinen trägt zur Bodenerosion bei, wodurch unter anderem Pflanzen leiden. Der internationale Trend des ‚rock stacking‘ zerstört zudem den Lebensraum von Tieren wie Spinnen, Insekten und Eidechsen, die unter den Steinen Zuflucht suchen und sich vermehren. Aktuell sind auf Instagram 90400 posts mit ‚rock stacking‘ markiert! Und auch, wenn Sie die Steine nach ihrem Foto zurücklegen, schaden Sie Flora und Fauna. Machen Sie Fotos von der unberührten Natur und hinterlassen sie allenfalls Fußspuren im Sand.

Mit etwas Glück kann auch der Laie an der Isar Wasseramseln beobachten, leicht an ihrem weißen Brustlatz zu erkennen. Die Wasseramsel ist stark an Gewässer gebunden und der einzige einheimische Singvogel, der tauchen und schwimmen kann. Ihr überwiegend braunes Gefieder ist sehr dicht und somit perfekt an die aquatische Lebensweise angepasst. Sie kann unter Wasser sogar mehrere Meter laufen. Hier erbeutet sie Köcherfliegenlarven, Flohkrebse oder Schnecken. Ab und zu erwischt sie sogar kleine Fische. Über oder hinter stark strömendem Wasser baut sie ein Mooskugelnest

Die Kiesbänke und -inseln bieten auch anderen seltenen Vögeln wie dem Flussregenpfeifer und dem Flussuferläufer wieder Brutplätze. Der Flussregenpfeifer baut sein Nest auf kahlen, übersichtlichen Flächen mit kiesigem Untergrund. Die Eier sind zwischen den Steinen so gut getarnt, dass sie leider oft von unbedachten Bootsfahrern oder Spaziergänger zertreten werden. Der braun-weiße Vogel mit dem schwarzen Stirnband und dem gelben Augenring wird 15 cm groß und ist leicht an seiner scheinbar „rollenden“ Fortbewegung zu erkennen. Ganz plötzlich verharrt er dann und jagt nach Würmern, Spinnen, Insekten, Larven oder Weichtieren.

Erholsame Beobachtungstage.

 

Juli 2021

Zu viel - zu wenig

Das Wasser macht uns Sorgen.
Mal fehlt es - Böden vertrocknen, Ernten sind gefährdet.
Mal haben regnet zu zu schnell und zu viel - Städte, Straßen und Unterführungen sind überflutet.

Die Regenmuster verändern sich.
Orte werden "vergessen".
Andere Orten werden "überschüttet".

Wir brauchen möglichst viele Grünflächen.
Wir müssen mit der Versiegelung von Flächen aufhören.
Letzteres können wir im Wahlkampf zur Sprache bringen und lokal einfordern.

Für die Grünflächen können wir selber sorgen.
Auf dem Balkon, im Vorgarten.
Regenwasser sammeln und Bäume gießen.
Nicht auf andere warten, selber die Gießkanne schleppen.

All das andere zum guten Umgang mit Wasser haben wir schon oft genug gesagt und geschrieben. Kennen wir schon, können wir schon. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Danke!

 

Juni 2021

Synthetische Hormone Teil 2 – Warnstufen und Tipps
Für Weichmacher gibt es keine Warnschilder.
Mission invisible.
Die Gefahr stinkt nicht.
Gute Tarnung.
Warnstufe 0.

Die Jagd auf die Weichmacher funktioniert nur mit Köpfchen, Disziplin und Geduld. Weichmacher lassen sich nicht direkt erkennen. Sie sind in aller Regel geruch- und geschmacklos. Jedes weiche oder biegsame Produkt aus PVC verdient unsere besondere Aufmerksamkeit – Phthalate, wir wissen jetzt, dass ihr da seid. Der Recycling-Code für PVC enthält eine „3“ und die Buchstabenfolge „PVC“.
Warnstufe 1.

Alle Lebensmittel, die in Materialien aus Weich-PVC verpackt werden, können Phthalate enthalten. Gerade fetthaltige Lebensmittel wie Öl, Pesto und Käse sind besonders häufig belastet. Des Weiteren können Phthalate auch bei der Lebensmittelverarbeitung (z. B. wenn sich diese in Schläuchen befinden) ins Essen gelangen. Wir sehen euch nicht, aber wir wissen jetzt, dass ihr da seid!
Warnstufe 2.

Vom ahnungslosen Opfer werden wir zu Genießer:innen. Denn die frische Zubereitung von Essen hilft und vorher der Kauf von Unverpacktem. Die Verwendung von immer weniger Fertigprodukten hilft. Ein regelmäßiger Wechsel von Produktmarken hilft. Denn gleiche Lebensmittel können je nach Herkunft unterschiedliche Mengen an Weichmachern enthalten.

Verbraucher:innen haben die Möglichkeit, beim Hersteller, Importeur oder Handel nachzufragen, ob fortpflanzungsschädliche Phthalate enthalten sind. Das Umweltbundesamt hat mit dem Projekt „AskReach“, zu finden auf http://www.reach-info.de/auskunftsrecht.htm , ein entsprechendes Antragsformular zur Verfügung gestellt. Mit der Smartphone App Scan4Chem des Umweltbundesamtes können Verbraucher:innen den Strichcode auf dem Produkt angeben. Eine Antwort muss innerhalb von 45 Tagen erfolgen. Nutzen Sie Ihr Auskunftsrecht und fragen Sie vor dem Kauf beim Anbieter nach, welche besonders besorgniserregenden Stoffe in dem Produkt enthalten sind. Scannen Sie den Barcode des Produktes. Sie erhalten dann entweder über die AskREACH Datenbank Informationen zu „besonders besorgniserregenden Stoffen“ (SVHCs) in diesen Erzeugnissen oder Sie können – falls noch keine Informationen in der Datenbank sind - entsprechende Anfragen an die Erzeugnis-Lieferanten verschicken.

Dieses Recht auf Information ermöglicht die EU-Chemikalienverordnung REACH. Es gilt unabhängig von einem möglichen Kauf des Produkts.

 

Mai 2021

Gefährliche Hormonschwankungen

(Synthetische Chemikalien mit hormoneller Wirkung)
Noch bis Anfang Mai warnen die Schilder „Achtung! Amphibienwanderung!“ Wenn es die Amphibien endlich in ihre Laichgewässer geschafft haben, lauert dort die nächste Gefahr. Nein, keine Ringelnatter, kein Storch, ein winziger Feind dringt unbemerkt durch ihre dünne Haut ein, führt zu niedrigeren Testosteronwerten bei Männchen und verminderter Eiproduktion bei den Weibchen.

Die Ursache sind Fitnessarmbänder, Ferngläser, fetthaltige Lebensmittel und Gourmetöl , Nagellacke oder Verpackungsmaterial, Kunststoffe wie Schuhe oder Kosmetika, Textilien oder Spielzeug. Sie alle können Phthalat-Weichmacher enthalten. Phthalate zählen zu den endokrinen Disruptoren - Chemikalien oder Mischungen von Chemikalien, die die natürliche biochemische Wirkweise von Hormonen stören und dadurch schädliche Effekte (z.B. Störung von Wachstum und Entwicklung, negative Beeinflussung der Fortpflanzung oder erhöhte Anfälligkeit für spezielle Erkrankungen) hervorrufen.

Viele synthetische Chemikalien mit hormoneller Wirkung werden in Flüssen und im Meer nachgewiesen. So sind Fische, Reptilien und Meeressäuger besonders von der Verschmutzung ihrer Lebensräume betroffen.  Aber auch bei Vögeln und Landtieren konnten Schädigungen festgestellt werden. Eindrückliche Belege für den Effekt von hormonellen Stoffen auf Wildtierpopulationen liefern vor allem Langzeitbeobachtungen. Die Fortpflanzung der Stare leidet unter östrogenähnlichen Stoffen, die das Immunsystem schädigen und das Gesangsverhalten der Männchen verändern. In Alaska weisen 68 Prozent der männlichen Schwarzwedelhirsche einen Hodenhochstand auf, ihre Spermien sterben ab, weil es im Körperinneren zu warm ist. Bei Eisbären gehören zwittrige Tiere und missgebildete Geschlechtsorgane zu den Folgen der hohen Schadstoffbelastung in Spitzbergen und Ost-Grönland.

Häufig sind Raubtiere am Ende der Nahrungskette besonders hoch belastet, da sich langlebige Stoffe im Fett ihrer Beutetiere anreichern. Ein Beispiel dafür ist PCB ‒ Polychlorierte Biphenyle sind organische Chlorverbindungen, die in vielen Industrieanwendungen eingesetzt wurden. Obwohl sie 2001 durch die Stockholmer Konvention weltweit verboten wurden, sind die Stoffe immer noch aufgrund ihrer Langlebigkeit und Bioakkumulierbarkeit in Wildtieren und in der Umwelt zu finden.

Fast bei jedem Menschen sind Phthalate oder ihre Abbauprodukte in Blut und Urin nachweisbar. Wir nehmen die Weichmacher zwar nicht durch die Haut, aber mit der Nahrung und der Luft auf. Nur wenige Weichmacher sind in der EU mittlerweile verboten, aber in importierten Produkten weiterhin erlaubt. Gerade kleine Kinder sind besonders gefährdet, da sie Plastikspielzeug in den Mund nehmen. 

„Achtung! Amphibienwanderung!“ Hier ist die Umsetzung einfach: langsam fahren, auch mal anhalten, warten und nach einigen Wochen ist die Wanderung vorbei. Gegen die Bedrohungen durch Weichmacher, die nicht lokal und zeitlich begrenzt sind und deren Ausmaße wir noch gar nicht abschätzen können, brauchen wir einen langem Atem. Die wissenschaftliche und gesellschaftliche Auseinandersetzung um die Gefahren und Risiken durch hormonaktive Substanzen wird uns noch lange beschäftigen.

 

April 2021

Lauschen und staunen

Endlich Frühling, endlich Zeit, endlich raus, endlich bewegen und doch, wie wäre es mal mit Ruhe?

Ohne Handy und Uhr spazieren gehen, nicht laut rufend durch den Wald rennen, mal innehalten? Nicht planen, was es abends zu essen gibt, wer was nach dem Ausflug macht, was alles noch zu erledigen wäre, sondern einfach mal im Jetzt sein.

Wer setzt seine Schritte so, dass man sie nicht hört?

Vielleicht auf einer Picknickdecke den Wolken nachschauen? Sich bequem hinlegen, die Augen schließen… Wer kann am längsten leise sein? Was kann man alles hören? Wer hört etwas, das die anderen nicht hören? Und dann, was könnte das sein? Ist das ein Specht, ein Eichhörnchen, das mit den unteren Vorderzähnen eine Nuss mit einem Peng auseinandersprengt? Ein kleiner Hubschrauber oder doch eine Holzbiene? Ein zetterndes Zaunkönigmännchen im Unterholz, eine Amsel, die im Laub raschelt oder vielleicht sogar eine kleine Waldmaus?

Lauschen und staunen Sie. Entspannung garantiert.

 

März 2021

Artenschutz im Garten

Die Nächte sind noch kalt, die Wildbienenpuppen schlummern noch in hohlen Pflanzenstängeln oder unter der Erde. Aber jeden Morgen erklingt ein überwältigendes Vogelstimmenkonzert, in sonnigen Stunden gaukeln die ersten Zitronenfalter wie an Fäden gezogen durch den noch kahlen Wald und die Blaumeisen streiten zeternd um Bruthöhlen

Wenn Sie jetzt Ihren Garten neu denken und planen, denken Sie daran, dass wir einen immensen Einfluss auf die Pflanzen- und damit auch auf die Tierwelt in unseren Gärten haben. Nur dort wo Tiere Nahrung und Schutz finden und sich fortpflanzen können, siedeln sie sich an. Aber selbst der kleinste Garten kann eine Zuflucht, ein Schutzgebiet, für bedrohte Tierarten werden. 

Im Winter hatten die schützenden Pflanzenreste noch vielfache Funktionen: Sie boten Insekten eine Herberge, schützten die Stauden vor dem Erfrieren und ernährten Tiere. Durch die aufkeimende Wärme im Frühjahr benötigen Neutriebe nun aber Platz und Licht zum Wachsen; das heißt: Weg mit den Pflanzenresten. Doch Achtung, schauen Sie sich abgebrochene, markhaltige Stängel von Brombeeren, Himbeeren, Heckenrosen, Königskerzen, Disteln, Kletten oder Beifuß vorher genau an! Einige Wildbienen verwenden zum Nisten ausschließlich diese abgebrochenen oder abgeschnittenen, dürren Stängel. In dem weichen Pflanzenmark schaffen sie mit ihren Oberkiefern einen gangartigen Hohlraum für das Nest. Eine Bruch- bzw. Schnittstelle ermöglicht den Bienen einen leichteren Zugang. Die meisten Stängelbewohner haben nur eine Generation im Jahr. Somit schlüpft die Nachkommenschaft erst zehn bis zwölf Monate nach der Bebauung, diese Stängel sollten unverändert möglichst an Ort und Stelle bleiben.

Lassen Sie sich nicht von Blühwiesenmischungen verlocken, die viel Nektar und Pollen und ein endloses Blütenmeer versprechen, säen Sie diese nur inselartig aus. Viele Wildpflanzen und die meisten Wildbienenarten brauchen auch sonnenexponierten, ungedüngten Boden. Fehlt den Insekten überall im Garten die Wärme am Boden, weil eine dichte Blumenwiese die Sonnenstrahlen nicht bis an den Boden kommen lässt, können sie sich nicht fortpflanzen. Bei den Samen sollte es sich um regionales Saatgut heimischer Pflanzen handeln. Wer es unkompliziert mag, kann ökologisch produzierte Sämereien auch über den Online-Handel einfach und schnell beziehen.

Halten Sie künstlich eingebrachte Pflanzen im Zaum, damit Platz für wildlebende Pflanzen bleibt und sie sich natürlich verbreiten und ansiedeln können. Sind sie erst mal da, sind sie pflegeleicht, denn sie stehen schon am idealen Platz. Die oft verpönten unzähligen Distelarten sehen nicht nur im Winter sehr malerisch aus und haben ganz unterschiedliche, farbenfrohe Blütenstände, sie bieten auch dem bedrohten Stieglitz reichlich Futter. Zudem werden sie von Bienen, Wildbienen und Schmetterlingen geradezu belagert. Die Pflanzen haben geringe Ansprüche an den Boden und sind optimal an heiße und trockene Sommer angepasst.

Auch Brennnesseln, hier schon oft behandelt, bieten vielen Insekten reichlich Nahrung, gönnen Sie auch ihnen eine Ecke.

Lassen Sie den kleinen Holzstapel, den Rest der Steinmauer stehen und helfen Sie etwas nach, wenn ihr Garten eher einer grünen, strukturlosen Rasenwüste als einem Lebensraum gleicht.

Holen Sie sich Totholz, Sand, Natursteine und schaffen Sie Strukturen. Durch die gezielte Anlage von Holz-, Reisig- und Steinhaufen mit Hohlräumen in möglichst sonniger Lage bieten Sie nicht nur Insekten, sondern auch Eidechsen, Blindschleichen, Vögeln und Igeln einen passenden Unterschlupf.

Holzbienen, Zauneidechsen, Wildbienen und viele andere Tier-und Pflanzenarten werden Ihnen einen summenden, brummenden und schillernden Sommer in Ihrem ganz persönlichen Arten-Schutzgebiet bescheren.

 

Februar 2021

Von Wollmäusen und Hasen mit der schützenden Hand

Der Christbaum ist gerade entsorgt, da flötet das Amselmännchen schon mit stolzgeschwellter Brust durch den noch dunklen Wintermorgen. Die tief stehende Wintersonne beleuchtet gnadenlos die Wollmäuse und andere merkwürdige Ansammlungen, die im übrigen Jahr im wahrsten Sinne des Wortes unbehelligt blieben. Also Kehraus, Frühjahrsputz; verfrüht, aber warum nicht? Ab an den Putzschrank oder in die Drogerie.

Seit 2013 dürfen in der EU keine Kosmetikprodukte mehr verkauft werden, die mit Hilfe von Tierversuchen hergestellt wurden. Das Tierversuchsverbot gilt aber nur für Inhaltsstoffe, die ausschließlich in Kosmetik- und Pflegeprodukten zum Einsatz kommen. Das bedeutet im Umkehrschluss: Inhaltsstoffe, die auch in anderen Produkten vorkommen und daher unter das Chemikaliengesetz fallen, werden nach wie vor an Tieren getestet. Das trifft auf viele Inhaltsstoffe von Kosmetika zu – sie werden zum Beispiel auch für Reinigungsmittel und Waschmittel, in Medikamenten oder sogar für Farben verwendet.

Die meisten Substanzen mit denen wir putzen, kommen in unterschiedlichen Bereichen zum Einsatz, so dass sie nach Chemikalienrecht geprüft werden. Wasch- und Reinigungsmittel, die mit dem Zusatz „antibakteriell“ oder „desinfizierend“ beworben werden, müssen seit 2013 auch nach der EU-Biozidprodukte-Verordnung (528/2012) geprüft werden. Diese Prüfungen umfassen im Wesentlichen Giftigkeitstests mit Tieren.

Der Deutsche Tierschutzverbund zertifiziert zusammen mit dem Internationalen Herstellerverband gegen Tierversuche in der Kosmetik e.V. (IHTK) zahlreiche Kosmetik-Produkte mit dem Hasen mit schützender Hand. Das Siegel verbietet unter anderem auch Rohstoffe aus toten Tieren oder von gequälten Tieren. Ein Hersteller erhält das Siegel nur, wenn er keiner Firmengruppe angehört, in der Tierversuche stattfinden.

Seit 2013 gibt es das Siegel Hase mit schützender Hand noch mit dem Zusatz „Animal-friendly“. Dies zeichnet tierfreundliche Produkte aus, die neben den Kriterien zu Tierversuchen eine ökologische und sozialverträgliche Produktion garantiert. Das internationale Leaping-Bunny-Siegel (springender Hase) ist eine ähnliche strenge Siegel-Alternative. Es verbietet aber nicht explizit Rohstoffe aus Tierquälerei und Ausrottung sowie von toten Tieren. Das Siegel der Tierschutzorganisation PETA ‚ Cruelty-Free’ stellt ähnlich hohe Ansprüche an die Hersteller wie das Leaping-Bunny-Siegel. Nicht berücksichtigt wird jedoch, ob ein Unternehmen aus der gleichen Firmengruppe Tierversuche durchführt. Leider ist der Hase mit der schützenden Hand kaum zu finden und die anderen Label sind noch viel zu selten.

Warum stellen Sie ihren Allzweckreiniger nicht mal selbst her? Wenn Sie gerade jetzt in Bioapfelsinen oder -zitronen schwelgen, nutzen Sie doch die Schalen ohne Fruchtfleisch, weichen Sie sie in weißem Essig zwei Wochen gut verschlossen in einem Schraubglas ein. Füllen Sie eventuell Essig nach, sodass die Schalen immer bedeckt sind und nicht schimmeln. Entfernen Sie alle Schalen und Fruchtreste und entweder verdünnen sie den Duftessig 1: 1 oder 3:1 mit Wasser oder benutzen ihn pur (bitte nicht auf Natursteinböden, Silikonfugen und Silikondichtungen anwenden). Die Schalen dürfen ohne Bedenken in den Biomüll, der Reiniger kann in eine alte ausgespülte Sprühflasche umgefüllt werden.

Wem das zu lang dauert, findet neben Listen über Putzmittel, die ohne Tierversuche hergestellt werden, unzählige ‚Rezepte‘ für selbstgemachte Putzmittel und die unterschiedlichsten Anwendungen im Internet. Sie sind wirklich erstaunlich einfach und schnell herzustellen.

Beseitigen Sie die Wollmäuse, aber ohne dass Tiere leiden müssen.

 

Januar 2021

Einfach mal nichts tun

Nein, so ohne Schnee sehen sie nicht schön aus, die schwarz-brauen Sonnenblumenstängel mit den traurig verdorrten Köpfen draußen vor der Terrassentür. Da sind die filigranen Gräser schon hübscher anzuschauen. Aber der gammelige Holzverhau dort hinten in der Ecke oder der an die Hüttenwand hingewehte Laubhaufen, sollten die nicht mal aufgeräumt werden?

Nein, tun Sie einfach mal nichts! Und damit tun sie ein ganze Menge.

Winter - für die Tierwelt auf der anderen Seite der Fensterscheiben ein Kampf auf Leben und Tod. Vögel können sich noch an den letzten Sonnenblumen- und Grassamen laben. Meisen stellen ihren kompletten Stoffwechsel, ja sogar Teile ihres Magens, vom Insektenfresser im Sommer zum Körnerfresser im Winter um. Aber auch die Insekten in unseren Breitengraden haben Strategien entwickelt, gut über den Winter zu kommen. Der Frost ist dabei nicht das Problem. Vielmehr brauchen sie je nach Art spezielle Vorraussetzungen und Rückzugsmöglichkeiten.

Nein, Insekten sind nicht verschwunden, sie sind oftmals direkt in unserer Nähe. Scheinbar leblose Tiere wie Schmetterlinge oder Falter kann man auf dem Dachboden, im Keller oder im Gartenhäuschen finden. Bitte einfach in Ruhe lassen. Wenn die Tage wieder länger und die Temperaturen angenehmer sind, werden sie wieder aktiv.

Marienkäfer verbringen den Winter schlafend oft tief in Laubhaufen. Die meisten Wildbienenarten sterben im Sommer, kurz nachdem sie ihre Brutzellen in hohlen Pflanzenstängeln, Gängen in der Erde oder in Totholz angelegt haben. Totholz also bitte auch über den Winter nicht wegräumen. Nur wenige der Schmetterlingsarten in Deutschland überwintern als ausgewachsene Falter. Dazu gehört zum Beispiel der bekannte Zitronenfalter oder das Tagpfauenauge. Diese fallen in eine Kältestarre, wofür sie sich einen geschützten Ort suchen. So überwintern sie in hohlen Bäumen, totem Holz, Ritzen oder auch in Scheunen. Der Zitronenfalter kann sogar Minusgrade von bis zu 20 Grad aushalten. Viele Falter überleben den Winter jedoch oftmals nur als Puppe, Raupe oder Ei, wobei sie sich entweder ein warmes Versteck suchen oder sich einspinnen. Wieder andere fliegen, wie der Admiral beispielsweise, zum Überwintern sogar in den Süden.

Schicken Sie ihre Gedanken mit ihm auf Reisen und tun Sie mal nichts. Genießen Sie die Winterstarre ihres Gartens und freuen Sie sich auf den Frühling. Gemeinsam mit den Insekten können Sie dann gut erholt wieder draussen arbeiten. Wie und wann erfahren Sie rechtzeitig im Umwelttipp.